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Tradition und Vielfalt

Die niedersächsischen Zeitungen blicken auf eine lange Historie zurück

Die Zeitungsbranche in Niedersachsen kann auf eine fast 400jährige Tradition zurückblicken. Nach der für das Jahr 1605 nachgewiesenen "Straßburger Relation" erschien die zweitälteste Zeitung Deutschlands im Gebiet des heutigen Niedersachsens - in Wolfenbüttel. Es handelt sich um den "Wolfenbütteler Aviso", der für das Jahr 1609 nachweisbar ist. Bereits 1617 gab der Rat der Stadt Hildesheim die "Hildesheimer Relation" heraus.

Von den heute noch in Niedersachsen und Bremen erscheinenden Tageszeitungen begleiten und kommentieren fünf Zeitungen die Geschicke und die Geschichte Niedersachsens seit mehr als 200 Jahren. Dies sind:

  • Die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" seit 1705
  • Die "Schaumburger Zeitung" seit 1762
  • Der "Tägliche Anzeiger", Holzminden seit 1777
  • Die "Goslarsche Zeitung" seit 1783
  • Das "Jeversche Wochenblatt" seit 1791
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Mit der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" erscheint in Niedersachsen die älteste noch existierende Zeitung Deutschlands. Die erste täglich erscheinende Zeitung und damit erstmals so zu nennende "Tageszeitung" waren die Leipziger "Einkommenden Nachrichten" von 1650.

Die 1848er März-Revolution gab dem Zeitungswesen überall in Deutschland einen enormen Schub. Der weitaus größte Teil der Zeitungen in Niedersachsen entstand jedoch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die durch ihre lokale, kleinräumige Ausdifferenzierung geprägte Zeitungslandschaft in Niedersachsen entspricht dem Lebensschwerpunkt und damit dem Nachrichten- und Informationsbedürfnis der Bevölkerung. Daran konnten auch die restriktive Pressepolitik der Nationalsozialisten und der durch die Alliierten Besatzungsmächte gesteuerte Wiederaufbau einer freien Presse nach 1945 nichts ändern. Ein Indiz dafür, dass die Tageszeitung anders als die elektronischen und die neuen Medien mit ihrer Leserschaft eine organische Einheit bilden.

1932 erschienen in Niedersachsen 278 Zeitungen mit insgesamt 335 redaktionellen Ausgaben. 1944, nach den pressepolitischen Zwangsschließungen und -zusammenlegungen durch die Nationalsozialisten waren es noch 65 Zeitungen mit 93 Ausgaben. Die Entwicklung zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Zu Beginn des neuen Millenniums präsentiert sich die Tageszeitungsbranche in Niedersachsen in vielfältiger Art und Weise: 55 Verlage geben 131 redaktionelle Ausgaben heraus. Eine "redaktionelle Ausgabe" wird dabei verstanden als Zeitung, die sich im Titel und/oder in lokalen Wechselseiten unterscheidet. Redaktionen, die den allgemeinpolitischen und wirtschaftlichen Teil komplett selbstständig erstellen, sogenannte "Publizistische Einheiten", gibt es noch 10. Es sind dies

  • Braunschweiger Zeitung
  • Cellesche Zeitung
  • Emder Zeitung
  • Hannoversche Allgemeine Zeitung
  • Kreiszeitung, Syke
  • Neue Osnabrücker Zeitung
  • Neue Presse
  • Niedersächsisches Tageblatt
  • Nordwest-Zeitung
  • Oldenburgische Volkszeitung
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Darüber hinaus geben drei nicht in Niedersachsen beheimatete Verlage in Niedersachsen Zeitungen heraus. Dabei handelt es sich um die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine", Kassel, die in Bremerhaven (Bremen) ansässige "Nordsee-Zeitung" sowie die von der Bremer Tageszeitungen AG, Bremen, herausgegebenen "Bremer Nachrichten" und "Weser Kurier".

Die verkaufte Gesamtauflage der in Niedersachsen erscheinenden Tageszeitungen inkl. der einzigen Straßenverkaufszeitung, der "BILD Hannover", beträgt 1.418.275 Exemplare (IVW IV. Quartal 2014). Dabei erreichen sie eine durchschnittliche Haushaltsabdeckung von 55%. Nach der Media-Analyse von 1999 erreichen die niedersächsischen Tageszeitungen 71,8% aller Personen ab 14 Jahren in Niedersachsen.

Nach einer aktuellen Emnid-Studie im Auftrag der Heidelberger Druckmaschinen AG, Heidelberg, sind die Tageszeitungen noch immer das beliebteste Informationsmedium der Deutschen. Fernsehen und Radio folgen erst auf den Plätzen zwei und drei. Eine noch geringere Rolle als Informationsmedium spielt das Internet, das auf Rang acht landete. Nach Ansicht der Befragten werde die Nutzung des Internets als Informationsmedium zunehmen, die Bedeutung der Tageszeitung werde sich nach ihrer Einschätzung aber auch wesentlich erhöhen.

Die niedersächsische Zeitungsbranche ist dabei nicht nur ein publizistischer Faktor im kulturellen und politischen Leben Niedersachsens, der die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch und aufmerksam begleitet und seinen Lesern kompetent vermittelt.

Die Tageszeitungen sind ebenso ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor in Niedersachsen. Als Werbemedium erfreuen sich die Tageszeitungen seit Jahren einer stabilen und hohen Wertschätzung, die sich nicht zuletzt in den gestiegenen Netto-Werbeinnahmen dokumentiert.

So konnte die gesamte bundesdeutsche Zeitungsbranche 1999 mit einem Nettowerbeerlös vom 11,8 Mrd DM gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs bei den Netto-Werbeeinnahmen von 3,4 Prozent verbuchen. Damit sind die Tageszeitungen der führende Werbeträger und liegen mit diesem Ergebnis deutlich vor dem Fernsehen mit 8,4 Mrd. DM (Medienspiegel Nr. 23 vom 5. Juni 2000). Die Verlage in Niedersachsen und Bremen konnten dabei einen erheblichen Anteil davon für sich verbuchen. Betrachtet man den Zeitraum der letzten zehn Jahre, liegen die Tageszeitungen mit einem Werbewachstum von 47 Prozent im Mittelfeld. Unter dieser Perspektive liegen das Fernsehen und die Werbung per Post an der Spitze (ZMG, update No. 55).

Schließlich sind die Tageszeitungsverlage in Niedersachsen und Bremen mit ihren insgesamt knapp 17.000 Beschäftigten auch arbeitsmarktpolitisch ein bedeutender Faktor. Von diesen rd. 17.000 Beschäftigten sind

  • 1.033 Redakteure
  • 116 Volontäre
  • 3.531 Verlagsangestellte
  • rd. 12.000 Zeitungszusteller
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Ihrer arbeitsmarktpolitischen Bedeutung sind sich die niedersächsischen Tageszeitungen ständig bewusst. 1997, als mit einem erheblichen Lehrstellenmangel gerechnet wurde, starteten die Tageszeitungen in Niedersachsen teilweise in Kooperation mit den örtlichen Industrie- und Handelskammern, der AOK sowie radio ffn eine großangelegte Lehrstellenkampagne und stellten selbst zusätzliche Lehrstellen zu Verfügung. Nahezu alle Verlage bildeten über den eigenen Bedarf aus. Der Einsatz der Tageszeitungen bewog viele Betriebe, Ausbildungsplätze zu melden und zusätzliche zu schaffen, wodurch schließlich der befürchtete Lehrstellenmangel abgewendet werden konnte.

Neben dem Engagement für das Gemeinwohl und den Wirtschaftsstandort Niedersachsen engagieren sich die niedersächsischen Tageszeitungsverlage sehr stark im kulturellen Bereich. Sponsoringaktivitäten bei verschiedensten Veranstaltungen und Institutionen gehören zur ständigen Einrichtung der VNZV-Mitgliedsunternehmen.